Montagsklappe

jede Woche neu –

intelligente Gedanken zur Zeit oder Unzeit – oder ….

von Madeleine Weishaupt


lese-sab

Madeleine Weisahupt

manchmal

liebe leserin # lieber leser

manchmal grummle ich in richtung des zufalls

dich scheint es wohl doch zu geben

oder diese göttliche fügung

was weiss ich

letzte woche, freitag, lese ich auf dem kalenderblatt ein zitat von karl kraus

< Wenn ich einschlafen will, muss ich immer erst eine ganze Menagerie von Stimmen zum Kuschen bringen.

Man glaubt gar nicht, was für einen Lärm die in meinem Zimmer machen. >

wäre karl kraus in diesem moment vor mir gestanden, ich hätte ihn, wenn gestattet, geknutscht. einen herzfesten kuss auf die stirn – sie sagen was sie sagen was werter herr kraus

mei – da hab ich just in der woche von sonntag auf montag wieder eine menagerie von stimmen zum kuschen bringen müssen, meine zuckenden fussgelenke beschwichtigen und für den tennisarm eine bequeme haltung suchen – bon, nicht das erste mal und sicherlich auch nicht zum letzten mal, das eine wie das andere. aber diesmal sogar mehrmals in der nacht, ruhe im bau ruhe im busch bitte ich will schlafen bitte ich muss schlafen

von wegen – an schlaf war nicht zu denken, wenig zu denken

während dem lesen der nachtlektüre zwar in einen wunderbaren halbschlaf abgesunken – und kaum war das licht aus, ich mich bequem gebettet, bettdecke wunderbar auf mir und bis zum hals, die katze gnädig ohne anspruch auf das ganze bett für sich …. noch ein seufzen, prima und amen hab gute nacht ….

als glaubte die musikerin oder der musiker aus dem orchester das freude schöner götterfunken habe sie mit ihren oder habe er mit seinen paukenschlägen zu durchdonnern

ping pong tscharassa bumm

oder eben, diese plappermäuler …. diese ganze menagerie von stimmen quer durch den kopf, rauf und runter, purzelbäume kopfstand einrad fahren ein netz spannen ping pong …. was sagst du dazu und was ist damit und sowieso …. links wusste es besser als rechts und rechts fühlte sich in seiner meinung nicht ernst genommen und überhaupt

mich fragt keine mich fragt keiner

mir hört keine zu mir hört keiner zu

was ich davon halte und hierzu meine

was, du willst schlafen?

wissen sie, gedanklich hole ich in solchen fällen einen oder beide gummistiefel aus der kammer – so, rein mit all dem getue rein mit euch quälgeistern, etwas stopfen etwas schütteln – und ab vor die wohnungstür. da seid ihr da bleibt ihr, morgen habe ich wieder sprechstunde, ab neun uhr empfängt euch meine sekretärin und lässt euch ins besprechungszimmer eintreten …. wer möchte einen kaffee wer möchte einen tee?

manchmal hilft es – manchmal hilft es nicht

aufstehen, in die küche tappen tapsen schlurfen – nach dem glas greifen, wasserhahn an, glas füllen, wasserhahn aus, trinken – gleich gehend zurück ins bett

ob es jetzt möglich sein wird, zu schlafen?

ja katze ich weiss ich habe dich aus deinem schlummerschlaf geholt unf überhaupt ich weiss du warst wunderbar gelegen – tut mir leid, aber weisst du …. seufz …. schlaf weiter streicheln schlaf ruhig weiter ich versuche jetzt auch zu schlafen

m.w.


 

lese-sab

guten abend, liebe leserinnen und leser

und grüsse, montagsklappengruss m.w.

 

du kannst es noch lange sagen im nachrufen auf der treppe auf der strasse

der himmel der himmel

der offen ist für das wortgeflüchtete sein

denn so hat schon mal einer gesprochen auf der treppe auf der strasse offen und bar jeder münze

und nun und heute du

 

die wege suchend wenn es sterblich leichter wäre was wäre dann was wärst du dann wie

 

staunend unfassbar dieses morgengrauen der stand das lachen und noch kein gebet gesprochen

zu dieser stunde noch närrisch den hut in der hand

und die äpfel als botschaften auf dem tisch ein wenig angefault und mehlig im geschmack

gestern die ernte paradiesisch und heute die frage wohin den gruss schreiben

in diesem brief auf den beschriebenen seiten und wie gültig gütig gütig gültig ist ein adieu die gewichtigkeit des dus

 

die dauer deines schlafes rechne und die alten zöpfe schneide ab

deine wirrungen setze auf kähne und gewiss gewiss niemand wird sie aufhalten weil alles gesetzt ist alles

auf bittere armut schwarz rot in einem verspielt und doch doch

du lachst lachst hast du doch im glück gewonnen fiel eines vom himmel herab

 

oh baby petit enfant

in den armen wiegen wiegen könnte ich immer immer und wieder auf ewig

wer wird sein dein ungebrochen

 

fröhlicher haben es der wind ein pferd im galopp die herren in ihren schwarzen röcken das feuer und die blindheit

die bräute mit ihren rosensträussen die sterne am himmel der nachtfalter und das sonett in einem klavierspiel

 

und immer wieder immer wieder der gleiche fehler die wiederholung vier takte vorher

zählst rechnest sinnst eines nichts werden nicht werden oben und unten wie himmel und hölle wer weiss das schon

die wörter das gemurmel hände ringen stolpern und einfangen zu nutze machen dieses eine eine und viele

sieben farben hat das licht


 

 

lese-sab

liebe leserinnen und leser

ja, ich weiss – da war eine längere pause mit der wöchentlichen montagsklappe. auf einmal nichts mehr, weit und breit nichts mehr, zeit und dauer schleppten sich dahin, kein wink kein pieps kein gar nichts – niente.

eine entschuldigung lasse ich nicht verlauten – pardon, blödsinnig, widersinnig – es war so ist so – aber und doch heute ein wieder.

nicht die technik liess mich davon abhalten – zeit und raum zeit und not zeit und geist zeit und widerwille

(nach dem ersten i kann auch ein e noch gesetzt werden, wiederwille; ich weiss, dieses wort gibt es nicht, trennen wir es auf wieder wille, ja, der war schon da aber dann war er doch wieder weg, motto: morgen ist auch noch ein tag, ist der bessere tag)

also, zeit und nochwasweissichalles an ereignissen inmitten des überichs und des unterichs und dem queren ich, das auszählspiel

ich und du müllers kuh müllers esel

wer ist das nun?

eeny meeny miny moe

ich werde jedoch noch den einen offenen fastenzeit-riss schicken, die schatten:nacht von ostermontag – alle anderen montagsklappen bleiben leer – keine nachholungen. denke, dies wird in den augustwochen erfolgen, muss noch den restschliff erledigen.

nun sind mir die kartoffeln doch etwas angebrannt – die in der pfanne. brutzel – so schnell kann das wasser verdampfen, sich einkochen einhocken in die erdäpfel …. dabei schüttete ich beim vorherigen nachschauen (lind? – zu dt. gar?) nochmals wasser nach …. bitte danke …. mpf …. ja gut. es ist nicht das erste mal und es wird nicht das letzte mal sein.

ich warte auf das gewitter, das die wetterprognosen angesagt haben – doch es ist windstill geworden. ich denke, das wird heute nichts mehr mit einem schauerlich schönen donnerblitzgehabe. schade. ich mag die sommergewitter, ich mag im grunde alle gewitter, aber die im sommer haben ihre erfrischende kühle, ihren wohlklingenden laut, so frech und spritzig fallen die regentropfen vom himmel herab und platzen wie springende gummibälle auf dem boden auf. eines konnte ich vor gut drei wochen erleben, ein vorsommergewitter. ach was hab ich mich gefreut. 

wenn die kartoffeln etwas abgekühlt sind, werde ich einen teil davon schälen. ich weiss, besser wäre gleich jetzt, wenn sie noch heiss sind. aber ich mag nicht. mir ist heiss genug, den ganzen tag schon – da brauch ich nicht noch heisse kartoffeln in den fingern …. dann die geschälten schnippeln – lieber hund, morgen gibt es mal wieder kartoffeln ins futter, keine aufgeweichten reisflocken. lass es dir schmecken.

Ein Gewitter ist eine mit luftelektrischen Entladung (Blitz und Donner) verbundene komplexe meteorologische Erscheinung. Im Durchschnitt treten auf der Erde etwa 1600 Gewitter gleichzeitig auf, die auf über 0,3 Prozent der Erdoberfläche stattfinden. (Der Brockhaus, 2009)
Es kommt, außer in den Alpen und im Alpenvorland, niemals „aus heiterem Himmel“; wer regelmäßig einen Blick in den Himmel wirft, kann ein sich näherndes Gewitter schon früh an den dunkel und bedrohlich wirkenden Wolken erkennen. Wenn das Gewitter bemerkt wurde, sollte der sicherste erreichbare Zufluchtsort angestrebt werden. Anhand der Zeitdifferenz zwischen Blitz (Lichgeschwindigkeit) und Donner (Schallgeschwindigkeit
, ca. 340 m/s) lässt sich die Entfernung des Blitzes berechnen:

Jede Sekunde, die der Abstand zwischen Blitz und Donner kürzer wird, ist es 340 m näher gekommen. Unter 6 Sekunden zwischen Blitz und Donner, also unter ca. 2 km Entfernung, ist jederzeit die Möglichkeit eines Einschlags in der Nähe gegeben. (Gerhard Lux, Deutscher Wetterdienst 2016)

ich selber werde ebenfalls von diesen kartoffeln essen, morgen. in welcher zubereitungsform weiss ich noch nicht. zwar bin ich kein grosser kartoffelfan – mei, was hab ich gelitten als kind, wenn es zum mittagessen kartoffeln gab. einzige freude waren kartoffelngratin (gab es jedoch zu selten), kartoffelsalat und gschwellti met chäs (dt. pellkartoffeln mit käse). röeschti war damals auch nicht mein lieblingsessen, das lag an den untergemischten speckwürfelchen. (wie kann man nur ….) nun gut. inzwischen gelangen ohne grummeln ab und an ein zwei kilo in den einkaufskorb, schlepptrag ab nach hause – es wird gegessen, was auf den tisch kommt.

auf die ihrigen hände meinen gruss. den wieder und wider im windstillen hitzegewühl.

m.w.


 

 

lese-sab

fastenrisse

 

 

 

 

 


lese-sab

fastenrisse

 

 

 

 

 


lese-sab

liebe lesende

ich bin im verzug mit dem schicken der montagsklappe, just nun seit beginn der fastenzeit mit den entsprechenden beiträgen.

nachholen – in einem halben subito.

foto von madeleine weishaupt
foto von madeleine weishaupt

die fastenzeit:risse sind wie gewohnt text – lyrik/prosa – und foto. in diesem jahr objekt/fotos, die ich mit der vierlinsigen lomo-kamera knipste.

ich grüsse sie herzlich, m.w.

 

 


 

 

lese-sab

collage madeleine weishaupt
collage madeleine weishaupt

 

collage m.w. / pomme quatorze

montag 25. 2.19

 

 

l / bequeme annahme

zögerst

debatten im kopf

an zeit und dauer

nah wie löcher

dringt das flüstern

durch die wände an fassaden

die blicke die begierde

dicht zur nasenwurzel

ein offen wort zu melden

zungenfrei

 

ll / überschreibung

 

die immer gleiche geschichte

mein eigen schwanken

und handlange blumen

die bluse vom kleiderbügel

auf schultern ihr stoff

die füsse im feuchten gras

tragen mich fort

und die letzte versöhnung

ist der tod

im leben

 

lll / fremdling rosen

 

auf säulen ragen

die kronen golden reich

entwachsen ist das kind

allerheiligstes in hallen

bewahrt sich ausgeleuchtet

schmal

und so manches

was erinnerung ist

ein war es so

gerät singend ausser kraft

 

llll / grundierung

 

vom tisch gewischt

es sei noch reden

lachen in der welt

und im süden

sterne zu sehen

die anbetung der vokabeln

und das du er sie es

noch einmal

zu meinen denkfiguren

ins offene gesprochen


 

lese-sab

jaja, liebe leserinnen und leser –

weissgott, heute morgen bin ich bezüglich meines taktfahrplanes nicht fündig geworden. ich habe darauf meinen vornamen buchstabiert, das ging noch gut, aber danach war ich genauso schlau wie vorher. somit galt es zu versuchen, als nächstes notprogramm, das tempo der achterbahnfahrt zu drosseln.

ie drossel drosselt die drosselfreundin der drossel drosselt es die drosselfreundin und das drosseln ist der drossel (stuss)

vielleicht geht ihnen nun durch den kopf, die gute hatte ihren montagsblues, das mag sein – von mir aus. aber damit hausiere ich heute nicht. und es braucht auch niemand die überlegung vorzubringen, ich hätte vielleicht meine tage – hab ich nicht. oder es ist so schummidummi wasweissich vorfühlen, weil morgen wieder vollmond ist. mag sein. kann sein. sicher, manchmal stehe ich am fenster oder am balkon, nächtens, und wie jetzt noch, wo noch kein grünes oder herbstgefärbtes blattwerk an den birkenästen hängt und die sicht auf ihn und den nachthimmel versperrt, also, zu diesen zeiten er sehbar sichtbar fast zum greifen nahe ist – jetzt könnte ich dich anheulen, du rundes volles leuchtgesicht. liebevoll, ohne weh, einfach so – ich singe mit dir ich singe für dich ich singe auf dich. juhe. doch dann würde könnte vielleicht der hund mit in mein heulen einsetzen, denn wenn ich ihn mit etwas ärgern kann, dann mit einem heulähnlichen getue. im duett er und ich heul wie suse und in der nachbarschaft würden ein paar fenster aufgehen, ein kurzes stillsein, weil sich die leute erst einmal orientieren, woher kommt dieses heulen, und doch orientierungslos unbestimmt aber bestimmt ins freie hinein hinaus ruhe rufen oder ich rufe die polizei.

(ich: angstlos, unbekümmert, fast eher mit heiterkeit – schnauze)

(hund: hat noch weniger angst und anderes – polizei, wer ist das? was ist das?)

 

für morgen spricht friedrich nietzsche auf dem kalenderblatt einen wunderbaren gedanken, dessen wort gemeinheit in mir den lacher zwickt – welche gemeinheit meint er da wohl? die gemeinheit als gemeinschaft oder die gemeinheit, dieses perfide hinterlistige diese schlechtigkeit und intrige par excellence …. hach, diese doppelsinnigkeit ist mir eine wahre freude ….

(ha! mein lichtblick des tages, die bestätigung dafür, dass die welt doch noch nicht untergehen wird)

 

Über das Wetter, über Krankheiten und über Gut und Böse glaubt Jeder mitreden zu können. Es ist das Zeichen der intellektuellen Gemeinheit.

 

wahren sie takt und gefühl. ahoi (vom anderen ende der welt)


 

lese-sab

es hat mich ja nicht überrascht, aber dann war ich doch etwas entsetzt, weil es ist ja doch noch eine weile hin damit

liebe leserinnen und leser

als ich letzte woche in einem supermarkt und just gestern in einem café die ersten spuren von hoppelhasentapser sah. meine güte, der santa ist erst aus den regalen geräumt worden, da und dort kann man noch im sale die letzten (oder die ersten für dieses jahr, higs) weihnachtsdekorationen erwerben – und schon steht er da, der da er da mit der karotte, der da er da mit den schlabberohren, der da er da mit dem niedlichem grinsen und, nah der vorstellung, der da er da mit dem kuschelfell.

ich mein, verwundert hat mich das nicht. ist ja inzwischen alle jahre so – kaum das eine jubeln vergangen, kommt schon das nächste jubeln. man kann sich nicht mal mehr richtig umschauen und schon – schwupp trara da sind wir wieder zum einverleiben. (dabei knabbere ja noch an den letzten lebkuchen, die ich im dezember geschenkt bekam …. irgendwie nimmt das kein ende mit diesen). bon, das nennt sich wohl geschäftstüchtigkeit alle male. mei oh mei. da kann ich nicht mithalten.

 

und dann sah ich vor gut zwei wochen die ersten schneeglöckchen – donnerlittchen. da hab ich die gruppe gleich gefragt: sagt mal, was macht ihr denn schon da? seid ihr nicht ein bisschen früh dran? eine antwort bekam ich leider nicht. und rund um diese gruppe herum sah ich dann noch weitere, die sich anschickten, gegen den himmel zu wachsen …. ha! vielleicht werde ich doch langsam alt und komm somit den zeitensprüngen nicht mehr nach.

ich finde eh, dass sich die zeit etwas mehr zeit lassen könnte – oder? finden sie nicht auch? oder sich mal eine auszeit nehmen. so zwei drei tage – muss ja nicht gleich ein winterschlaf sein. oder voll in diese trends à la slow motion und ohm über ohm einsteigen. aber stattdessen schlägt uns diese zeit immer wieder ein schnippchen …. gugus, happy birthday und tante aguri und guten rutsch und komm gut rüber …. achherrje …. komm gut rüber – komm gut mit, so müsste es heissen. komm gut mit. rücksichtsvolles du kommst gut mit du schaffst das ich schaffe das auch …. (gemeinsam sind wir stark – hö)

liebe h. – weisst du was? ich sag es dir. dein wecker, denn du mir auf den gabentisch gestellst hast und den ich auf dem nachttischchen stehen habe, der ist schon ein bisschen laut mit seinem ticken. nein, es stört mich nicht gross. ich finde es sogar beruhigend, wie er zu hören ist, denn sein ticken ist ein ganz anderes und jede nacht, wenn ich im bett und liege und sein ticken mir ins ohr dringt

(nein, das ticken drängt sich nicht auf – keine sorge, h., es bringt mich nicht zur raserei),

versuche ich heraus zu finden, wie dieses ticken eigentlich funktioniert. da steckt sozusagen eine musikalität in diesem ticken. kein tick tack tick tack – ticketitack – so würde ich sagen. ticketitack. ticketitack. fast wie ein wiegenlied hört sich das an. zwischendurch frag ich mich, ob seine sekunden dann auch wirklich echtzeitsekunden sind. aber der minutenzeiger und der stundenzeiger zeigen keine verspätungen an. immer exakt genau die zeit, die der radiowecker auch anzeigt, die ich auf der armbanduhr sehe …. so bin ich dann stolz auf diesen wecker, was der so wunderlich kann, meidernei, wer hätte das gedacht. und ab und an schmunzle ich – da hast du mir, liebe h., einen mysteriösen wecker geschenkt …. wer weiss, was eines tages (nachts) passieren wird – ich schlummerselig im bett und dann …. uäh // m.

ihnen zeitentweihte und zeitentzweite grüsse, m.w.


 

lese-sab

liebe leserinnen # liebe leser

sagen sie, tragen sie auch bettsocken? ja, im ernst: sagen sie: tragen sie auch bettsocken, wenn sie nachts ins bett gehen – sich die tagessocken ausziehen in den wäschekorb werfen danke war nett den heutigen tag über mit euch und dann schlüpfen sie

(schlüpft man in socken rein?)(man zieht sie an – man zieht socken an)(man schlüpft in schuhe zum beispiel – aber socken zieht man an)(genau)

also und dann ziehen sie sich ihre bettsocken an. machen sie das?

ich mach das. ja. kann es nicht leiden nicht ausstehen mag das gar nicht absolut nicht wenn ich kalte füsse habe. und ich neige schon etwas zu kalten füssen. und manchmal muss ich nachts aufstehen (pipi) und da ist es angenehmer, in den socken über den doch etwas kalten fussboden zu gehen, tapp tapp. auch morgens, beim aufstehen, hauruck aus dem bett und bettenhausen erst am abend wieder aufsuchen. nein, bei diesen zwei handlungen mag ich nicht in meine finken schlüpfen und wieder rausschlüpfen. schon gar nicht nachts, in diesem halbdunkel und in dem eher schlafwandlerischen wo sind meine finken und hab ich jetzt den linken am linken fuss und den rechten am rechten fuss oder wie oder was – gut, ich könnte sie mir ordentlich brav vors bett stellen, so wie ich am bettrand sitze so stehen die finken vor dem bett also dann auch direkt vor den füssen, richtig genau passform genau. unter der bettdecke hervor und zack rein und tapp tapp. linker finken am linken fuss und am rechten fuss den rechten finken. so einfach ist das – so einfach zu organisieren zu händeln zu fusseln.

im sommer ist es anders. da gehe ich weniger mit bettsocken ins bett. aber wenn ich aufstehe, morgens raus aus bettenhausen und auf ins tageswerk, da brauch ich socken an die füsse.

(nein, keine finken – das ist weil also wie soll ich das erklären? erst mal einlaufen ohne so ein „gewerk“ an den füssen – locker freifüssig flott)

und das ist ja dann einerlei, ob der linke socken über den rechten fuss gestreift wird und der rechte socken über den linken. am bettrand sitzen, einen socken hier und einen socken da und hauruck ab in die senkrechte und tapp tapp.

(es ist sogar den socken egal, über welchen fuss sie gezogen werden)

ja, und ich habe gestrickte bettsocken, ein paar in dunkelblau ein paar in rot mit da und dort einem tüpfelchen grün gelb blau und zwei paar in beige. schöne socken. lieblingssocken. drei sind selbst gestrickt (aber nicht von mir) und das eine beige paar ist gekauft gestrickt. sie kratzen nicht, wie das manchmal blöderweise auch sein kann. nein, sie wärmen fein, nicht zuviel nicht zuwenig, gehen nach mehrmaligen tragen etwas auseinander, weiten sich, was sie aber noch angenehmer zum tragen macht.

 

so ist das – so und nicht anders.

und, eben, bei ihnen: tragen sie bettsocken? oder genieren sie sich, das zu erzählen – weil, verstehe, man könnte ja ein bisschen für verknöchert oder so gehalten werden (wie mit der tatsache, ich halte ein mittagsschläfchen ….)

so ist das – ist doch schön, oder – so ein paar bettsocken ….

ich finde schon. schon schön. schön schon finde ich.

auf zehenspitzen gesetzte zehengrüsse, m.w.


lese-sab 863

liebe leserinnen # liebe leser

wissen sie, was mir gestern morgen passiert ist?

ich erzähl es ihnen.

und sie dürfen es mir ruhig glauben, das war wirklich so.

 

da bin ich aufgewacht und dachte: schön, heute ist silvester. dann steh ich mal gemütlich auf und begrüsse diesen letzten tag in diesem jahr.

juup – so dachte ich. und ich dachte noch weiter, dass ich diesen tag feierlich verabschieden werde, also das jahr. und feierlich auf das neue jahr zugehen und so. feier den ganzen tag und feier die ganze nacht. das wird schön werden. das wird fein werden.

ja – das hab ich gedacht. und vor mir einen wunderbaren tag gesehen. einen wunderbaren silvestertag – ahoi du altes jahr ahoi du neues jahr – einen wunderbaren neujahrstag.

und dann schaute ich aus meinem schlafzimmerfenster und sah den regen und da ist mir wie auf einen schlag klar geworden – du dummi, also wirklich. heute ist sonntag der dreizehnte jänner und silvester ist schon sowas wie schnee von gestern so ein schnee wie dieser der noch wunderbar am freitag auf der wiese auf den dächern auf den zweigen auf den blumentöpfen lag – und neujahr ebenfalls ein anno vor tagen – nichts mit feier schön und gut und recht und so im heute.

achgotterle hab ich gedacht. jetzt ist es aber schlichtweg ernsthaft dummi mit mir …. wach ich auf an diesem dreizehnten jänner, einem sonntag, und denke mir, es ist silvester und wirst ihn feierlich begehen, dich feierlich fühlen, den ganzen tag und den ganzen abend und dann wirst gegen mitternacht auf einer frequenz im radio nach einem glockengeläut suchen und das gefundene glockengeläut laut stellen und eine weile zuhören und noch ein bisschen mehr schwelgen und wenn es dann so spitz auf knopf gegen mitternacht zu geht eine wunderkerze zur hand nehmen und auf den balkon gehen und die wunderkerze anzünden und dich freuen über das glitzern und spritzen und zischen dieser wunderkerze in deiner hand und das im hintergrund zu hörende laut gestellte glockengeläut und ahoi altes jahr und ahoi neues jahr

pf

pustesilvester pusteneujahr pustesonntag

sonntagpuste neujahrpuste silvesterpuste

pf

heute morgen jedenfalls hab ich beim aufwachen sehr gut aufgepasst, dass ich nicht wieder dachte, es sei silvester oder neujahr oder sonst ein besonderer tag, der ein feierliches mit sich bringt. und ich hab gut aufgepasst und es ist nichts aussergewöhnliches durch meinen kopf gegangen und ich hab aus dem fenster geschaut und schade geseufzt weil es draussen noch karger arger arg aussah. wie schön war es gewesen an zwei tagen in der letzten woche als draussen vor dem haus schnee über schnee zu sehen war. so schön. so schön wie dieser gestern ach so verwechselte sonntagmorgen an gemeintem heute ist silvester.

blubberknabberblupp – ich wünsch ihnen was. vieles. m.w.

Es schneit leise, und der Schnee dämpft die Laute. Nur das Knirschen der Schuhe im frisch gefallenen Schnee ist zu hören. Eines der schönsten Geräusche, die ich kenne.  ll  Florian von Götz


 

lese-sab 861

liebe leserin # lieber leser

eben war ich mit dem hund auf der gutenachtrunde und staunte mal wieder über die teilweise enorme beleuchtung in einigen wohnungen – oder noch die festtagsbeleuchtungen auf den balkonen und an den fenstern. der helle wahnsinn kann ich da nur sagen. der helle wahnsinn. was sich da manche leute ausgedacht haben, also in punkto, was man so als freudenfunkeln verkaufen kann und zuhause an die steckdose schliessen und es dann in der stromleitung klingt und in den glühbirnchen blinkt – meidernei. die stromrechnungen möchte ich nicht sehen und nicht bezahlen. und nie und nimmer würde ich mir das antun, bei all mancher schönheit, die solche lichter und formen ausstrahlen. lieber eine kerze, oder zwei kerzen, oder drei vier …. tja, manchen reicht wohl ihr eigenes leuchten nicht aus …. verstärken, was das zeug hält. bei mir gegenüber vom haus denke ich mir manchmal, liebe nachbarin und lieber nachbar, ihr wollt euch wohl gegenseitig übertreffen übertrumpfen überbieten mit dem, was ihr euch in der advents- und weihnachtszeit auf die balkone baut. jedes jahr mein eindruck, da ist bei x noch ein glitzern mehr und bei y ist noch eines mehr als im vorigen jahr – ach du liebe steckdose …. ach du liebes kernkraftwerk …. bei einem nachbarn leuchtet nun seit zwei drei wochen auch so eine lichterkette am balkongeländer …. grauslig. das licht von dieser girlande tut meinen augen weh – alles was recht ist, aber das geht entschieden zu weit. geschmacklos wie nichts. aber gut …. sein ding, nicht mein ding. wobei die stromverschwendung schon auch mein ding ist – aber hallo und guten tag und grüezi sie: klima und umwelt und alles weitere bis zum kernspaltungsendzeitproblem xy ungelöst. da trifft uns alle der blitz. schon vorher sollte uns alle der blitz treffen und ein überzähliger lichtschalter stromfresser umgekippt werden.

 

bon – nochmals nach draussen, auf die strasse, von einem haus zum anderen gehend: wenn ich jeweils so die lichter sehe, das eine und andere licht betrachte, dann erinnere ich mich unweigerlich an einen gedanken von kurt marti aus seinem band „im sternzeichen des esels“ –

< „Liecht“, das Mundartwort, kann „Licht“ und ebenso „leicht“ bedeuten. Wer sagt: „Gott isch Liecht“, sagt beides: „Gott ist Licht“ und „Gott ist leicht“. >

eine seite vorher ist zu lesen:

< 4 / Dereinst aber wird die Sonne sich zusammenziehen und dabei so erhitzen, dass die inneren Planeten – Merkur, Venus, Erde, Mars – verdampfen, verdunsten. O ja, wir wissen, was kommt, wenn wir längst schon gegangen sind! Es werden starke Gezeiten einsetzen, die kuglige Solargashülle wird zu einem Ellipsoid verzerrt. Agonie und Verwandlung! Nicht nur die Rotationsgeschwindigkeit des Taggestirns, dessen Tage gezählt sind, auch die Intensität des Sonnenwindes wird zunehmen, die solare Gashülle sich noch weiter ausdehnen. Der Sonnenkern wird schrumpfen bis zur Dichte von etwa 1 Million Gramm pro Kubikzentimeter, ein „weisser Zwerg“ nunmehr, der sich nach und nach abkühlt bis auf die Temperaturen der interstellaren Materie. Ja, und? Was geht’s uns an? Es kann uns egal sein, gewiss – eine flüchtige Handbewegung, ein Glas Wein, ein Krankenbesuch bedeuten mehr. Dennoch bleibt es ein schöner Gedanke, dass von unserer Sonne schliesslich allein noch ein zarter elliptischer Gasnebel übrigbleibt, der sich unendlich langsam in nichts auflösen wird. >

 

ja – und weil es zeitlich passend ist: über das jahr hindurch lichtfrohe lebendigkeit gewünscht.

(ui – händ sie dä bletz jetze gspürt, wo met mim gruess dor sie dore gfahre esch? ui ui …. hoffentli heisst das nüd böses – higs)

m.w.