Montagsklappe

jede Woche neu –

intelligente Gedanken zur Zeit oder Unzeit – oder ….

von Madeleine Weishaupt


liebe lesende

das leben – ach, manchmal schon ein irrwitz an ereignissen. oder ein wahnwitz. oder ein aberwitz.

vom irrwitz spreche ich, schrieb ich in einem nachgedanken an ludwig fels, ein nürnberger schriftsteller, der vor meiner zeit nach wien zog und dort nun verstorben ist – just veröffentlichte er seinen gedichtband im ars vivendi verlag cadolzburg, dou di ned o

da bin ich mal gespannt

bestellte das buch, erhielt es

erhielt die nachricht, ludwig fels ist gestorben, just die tage

m.w.

glaubst du an gott? lieber ludwig. glaubst du? weisst du, wenn man in den himmel kommt, glaubt man dann an gott? ich frage das, weil ich es gerne wissen möchte. vielleicht könnte ich dann leichter glauben, jetzt, heute, nachdem ich erfahren habe, dass du gestorben bist. ist das ein irrwitz

vergangene woche – welcher tag war es? – erhielt ich deinen lyrikband vom verlag zugeschickt. do di ned o nennst du ihn. übersetze ich es richtig? tu dich nicht so stell dich nicht so an sei nicht so sei nicht so zimperlich – oder weiss ich was

und diese woche – ich war noch stutzig geworden über s. antwort, dass sich das ja nun erübrigt hätte – ich verstand nicht, ich verstand überhaupt nicht. was hat sich erübrigt? ist das ein irrwitz


ich muss noch etwas anfügen – vergass es zu erwähnen

dass ich ihn auch mal zu einem gespräch traf, als er zu einer lesung hier in n. war, anfang 2011 war das.

dazu gibt es u. a. ein podcast interview wie eine lesung auf kubiss.de, dem städtischen bildungs- und kulturserver.

„Egal, wo das Ende der Welt liegt“

Mit Nachdruck schreibt Ludwig Fels seine Gedichte. Die Gelegenheit, in zehn, zwanzig, dreißig Zeilen zu sagen, was Herz und Kopf bewegt, was an Überwältigung jeder Art, an Enttäuschung und Zorn, aber auch an Liebe in diese Zeilen hineinwill, diese Gelegenheit ergreift Fels immer wieder, als ginge es nicht anders. Und so viel lässt sich wahrlich sagen: Es geht diesem Autor tatsächlich um etwas, es ist ihm nicht gleichgültig, wie das Leben mit sich selber umgeht, also mit uns. Er hat den Traum von einer besseren, menschlicheren Welt auch im kritischen Hellwach-Sein noch nicht verloren. Ludwig Fels ist ein leidenschaftlicher Dichter, der seine Wünsche und Hoffnungen auch von allen üblen Erfahrungen, die er nicht verleugnet, nicht begraben lässt. Er verfolgt sie, so lang und so weit es geht – „egal, wo das Ende der Welt liegt“.


Ludwig Fels war Schriftsteller

Ludwig Fels, der aus einer kleinbürgerlichen Familie stammte und ohne Vater aufwuchs, begann nach dem Besuch der Volksschule eine Malerlehre, die er jedoch abbrach. Ab 1964 war er in verschiedenen Hilfs- und Gelegenheitsjobs tätig, u. a. als Arbeiter in einer Brauerei, Maschinist sowie Stanzer. 1970 zog er nach Nürnberg, wo er als Packer in einer Halbleiterfabrik arbeitete. Er war kurzzeitig Mitglied im „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“. Ab 1973 war Fels freier Schriftsteller. In diesem Jahr veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband „Anläufe“. Nach weiteren Prosabänden und Lyriksammlungen folgte 1975 sein erster Roman „Die Sünden der Armut“.[2] Fels war ab 1981 Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland. Im Jahr 1983 verlegte er seinen Wohnsitz nach Wien. Neben erzählenden Werken und Lyrik verfasste er auch Theaterstücke und Hörspiele.

In jüngeren Jahren verstand sich Fels als „Arbeiterschriftsteller“, ohne dass er sich einer bestimmten ideologischen Richtung hätte zurechnen lassen. Seine oft auch aggressive, sprachgewaltige Prosa und Lyrik war vielmehr bestimmt von Wut und Zorn über Unterdrückung in jeglicher Form sowie über die Strukturen der Unterdrückung bestimmter Schichten der Gesellschaft. Die Literaturkritik bezeichnete ihn auch als „Proletenschriftsteller“. Später lehnte Fels die Bezeichnung „Arbeiterschriftsteller“ für sich ab.

Ludwig Fels starb nach einer schweren Krankheit im Januar 2021 im Alter von 74 Jahren in Wien.